Bauen auf dem Land
Wen es raus in eine ländlichere Umgebung zieht, um hier zu bauen, der verbindet damit oft einen ganz bestimmten Wohn- und Lebensstil. Ob Landhaus oder Villa im Grünen: Passende Architektur und entsprechende Gestaltungen beim Innen- und Außenraum schaffen den Rahmen für ein stilechtes Zuhause auf dem Land.
Viele Menschen stillen ihre Sehnsucht nach Naturnähe, Ruhe und Ursprünglichkeit in den Ferien oder am Wochenende mit Ausflügen ins Grüne. Doch immer mehr – zunehmend auch jungen Menschen – reicht das nicht. Für sie ist es ein Lebensentwurf, sich auf dem Land ein Zuhause zu schaffen, sein Leben dort einzurichten und hier zu wohnen. Nicht zuletzt hat auch der Trend zum Home-Office die Stadtflucht befördert: Mittlerweile sind laut BHW-Pressedienst (Stand 12/2024) rund 24 Prozent der Erwerbstätigen zumindest teilweise von zu Hause aus tätig. Die Nähe zur Arbeitsstätte verliert dann zum gewissen Grad an Relevanz.
Dabei kann die Vorstellung vom entsprechenden Domizil auf dem Land ganz unterschiedlich ausfallen. Das eine typische Landhaus gibt es nämlich nicht: Von toskanischer Villa, über englisches Cottage bis zum skandinavischen Landhaus ist heute im Grunde gestalterisch wie theoretisch alles möglich. Wer auf dem Land stilecht bauen möchte, hat heute viele Möglichkeiten.
Regionaltypische Landhäuser
Oft zitieren heutige moderne Landhäuser vergangene Baustile oder greifen regionale Bauformen auf, die je nach Gebiet ganz unterschiedlich ausfallen: in Süddeutschland holzverschalt, mit weiten Dachüberständen und ausladenden Balkonen oder mit norddeutscher Backsteinfassade und steilem Satteldach. Heute werden diese traditionellen Einflüsse oft zeitgemäß interpretiert und mit moderner Architektursprache umgesetzt, die sich modern, aber immer noch passend zur vorhandenen Bebauung, in die ländliche Umgebung einfügen.
Bei den regionaltypischen Baustilen kennt man zum Beispiel in südlichen Regionen holzverschalte Bauernhäuser mit weiten Dachüberständen, die die Fassade vor starker Verwitterung schützen, im Sommer Schatten und im Winter Schutz vor starkem Schneefall bieten. Weitere klassische Elemente sind hier ausladende, breite Holzbalkone, flache Giebel und Holzläden vor den Fenstern. Heutige, moderne Interpretationen setzen oft auf schlichtere, geradlinigere Umsetzungen, passen sich in der Gebäudeform an traditionelle Vorbilder an, verzichten aber auf aufwendige Verzierungen.


Anders in Norddeutschland: Hier ist seit jeher vor allem die Backsteinarchitektur beheimatet. Der robuste Baustoff ist extrahart gebrannt, dadurch besonders widerstandsfähig und trotz der raueren Witterungsverhältnisse sehr langlebig. Oft sieht man steile Satteldächer, da diese die Schneelast gering halten und sich in stürmischeren Gebieten aufgrund der Aerodynamik besser eignen. Schaut man noch weiter in den hohen Norden, nach Skandinavien, wird es wieder holziger. Meist in Holztafelbauweise oder als Blockbohlenhäuser errichtet, warten schwedische Landhäuser beispielsweise oft mit farbiger Fassade, weißen Sprossenfenstern und einladenden Veranden auf.
Großzügig im Grünen
Entschleunigung, persönliche Entfaltung und auch das Leben mitten im Grünen gelten heute quasi als Luxusgüter – und ein großes Haus auf dem Land verspricht, diese zu erfüllen. Doch nicht nur das Leben im Grünen an sich kann als Luxus empfunden werden, auf entsprechender Fläche lassen sich großzügigere, repräsentativere Entwürfe verwirklichen, bei denen es sich durchaus anbietet, dies auf einem entsprechenden Grundstück zu tun. Denn ob klassisch opulent oder modern geradlinig, ausladende Architektur kommt in entsprechender Umgebung weit besser zur Geltung. Hier können außerdem weite Ausblicke ins Grüne genossen werden, Innen- und Naturraum werden dank großflächiger Verglasungen eins und Garten- und andere Freiflächen erweitern als Teil des Gesamtentwurfs den Wohnraum großzügig nach draußen.

Foto: westend61/www.elements.envato.com
Landhaus und -villa sollten heute vor allem Naturnähe, Platz zur persönlichen Entfaltung und viel Komfort bieten – und darum also in ländlicher Umgebung stehen. Denkt man an ein großes Grundstück auf dem Land mit einem ausladenden Gebäude, das durch seine eindrucksvolle Architektur besticht, landet man bei der „Villa“. Der Begriff „Villa“ meint tatsächlich ursprünglich ein prächtiges Land- oder Herrenhaus: Früher war die „Villa“ Zufluchtsort von Reichen und Adligen auf dem Land oder prachtvoller Wohnsitz von Großgrundbesitzern, ursprünglich also ein prächtiges Herren- oder Landhaus der Antike. Doch zunächst war mit „Villa“ ein
herrschaftliches Haus auf dem Land gemeint. Erst Anfang des Jahrhunderts, als es mit der Industrialisierung und dem wirtschaftlichen Aufschwung zu einem Bauboom kam, hielt das vornehme, frei stehende Haus Einzug in die urbane Umgebung.
Heutige luxuriöse Wohnhäuser, die in ländlicher Umgebung ständiger Lebensraum sind, folgen zwar zuweilen manch sehnsüchtigem Ideal, kennzeichnen sich aber auch durch moderne Umsetzung, großzügigere Freiräume und direktere Nähe zur Natur.
Von traditionell bis modern
In der Tat finden sich auch bei heutigen repräsentativen Gebäuden oft deutliche Anleihen ihrer Vorfahren: von überragenden Giebeln über pompöse Säulen bis hin zu weitläufigen Veranden und Balkonen. So kann man bei einigen heutigen extravaganten Häusern, die Erfüllung einer Art Sehnsucht nach Tradition und Eleganz klar erkennen. Doch es geht selbstverständlich auch anders. Eine Villa kann genauso gut ein modernes Gebäude, geprägt von geradliniger Architektur, mit großem Platzangebot, auf höchstem ästhetischem Niveau gestaltet, sein.
Außerdem sind auch Anleihen an toskanische Villen, skandinavisch anmutende Holzhäuser oder dem englischen Landhaus nachempfundene Natursteincottages beliebt – oder es wird auf klare geradlinige Architektur im Bauhausstil gesetzt, weg von pompöser Extravaganz mit Schwerpunkt auf Funktionalität und Ästhetik. Ob Villa oder Landhaus, regional oder historisch beeinflusst, klassisch oder ganz modern: Gelungen sind Gebäude, die in sich, innen wie außen, stimmig und authentisch sind und mit ihrer Nachbarschaft sowie der umgebenden Landschaft ein stimmiges Ganzes ergeben.

Foto: wirestock/www.elements.envato.com
Altes Haus kaufen und sanieren
Rauszuziehen aufs Land kann auch den Vorteil haben, dass es – je nach Region – einfacher und erschwinglicher wird, überhaupt ein Grundstück zu finden. Zudem sind die Immobilienpreise laut BHW in vielen Dörfern bis zu ein Drittel günstiger als in den Städten. Doch es gilt beim Kauf eines alten Hauses, genau zu überlegen, ob es sinnvoller ist, dieses zu sanieren oder doch neu zu bauen. Denn viele Immobilien sind nach längerem Leerstand sanierungsbedürftig.
In manchen Fällen ist sogar eine Entkernung nötig, um Elektrik, Heizung und Dämmung auf Vordermann zu bringen. „Das Potenzial von Häusern auf dem Dorf ist groß“, betont Stefanie Binder von der BHW Bausparkasse. Doch gleiches gilt oft auch für den Sanierungsbedarf. „Wer ein in die Jahre gekommenes Haus kaufen will, sollte unbedingt mit Sachverständigen einen realistischen Maßnahmen- und Kostenplan aufstellen“, so Binder weiter. Anreize zur Sanierung können auch Förderprogramme wie „Jung kauft Alt“ (Wohneigentum für Familien – Bestandserwerb – 308) geben.

Stilecht im Inneren
Wer sich ein stilechtes Landhaus realisiert, egal ob neu gebaut oder saniert, sollte darauf achten, dass auch die Innenraumgestaltung zur Architektur des Gebäudes passt und in sich stimmig ist. Zum echten Landhaus oder zur exklusiven Villa passen echte Materialien wie Echtholzparkett oder Naturstein. Zum eher klassischen Landhaus passen Kassettentüren und Sprossenfenster, viel Holz und gedeckte Farben. Zur Landvilla Panoramaverglasungen und hohe, offene Räume, die Weitläufigkeit vermitteln. Eine moderne, klare Architektursprache harmoniert mit einer ebenso eleganten Raumgestaltung. In beiden Fällen gilt: Von Treppen und Türen bis zu Boden- und Wandbelägen zählt in Materialität und Verarbeitung auf jeden Fall Qualität vor Quantität.
Ob Designermöbel oder antikes Mobiliar: Auch in puncto Einrichtung gilt, dass diese vor allem zum Gesamtkonzept passen und den entsprechenden Stil unterstreichen sollte. Was nicht heißt, dass nicht auch Akzente gesetzt werden können. Eine klare Linie, die trotzdem auch ein wohnliches Ambiente mit sich bringt, wirkt edler als viel Schnickschnack. Hierzu tragen
klares Design, natürliche Materialien sowie ein stimmiges Farb- und Materialkonzept bei. Auch hier gilt die Devise: Lieber ein paar etwas teurere, aber mit Bedacht gewählte und
aufeinander abgestimmte Lieblingsstücke wählen.
Landhausstil
In unserer schnelllebigen Zeit ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen im eigenen Zuhause Echtes und Authentisches wollen: zurück zur Schönheit des Einfachen. Der sogenannte Landhausstil entstand im 18. Jahrhundert in England, in den schlossartigen Landhäusern des Adels und Bürgertums, war also zunächst alles andere als von Einfachheit geprägt. Zunächst stellte er einen bunten Mix aus geschnitzten Eichenmöbeln der Renaissance, vergoldetem Stuck des Barocks und üppigen Polstermöbeln des Regency-Stils dar. In der Folge entwickelte sich daraus eine ungezwungene, kulturverbundene Mischung, die über Skandinavien auch nach Deutschland gelangte. Der Landhausstil entwickelte sich über Jahrzehnte mit seinen idyll-romantischen, teilweise idealtypisch-skandinavischen Elementen.


Fotos: bialasiewicz/www.elements.envato.com
Ob als Einrichtung, Dekoration oder in der Architektur: Der skandinavische Stil wirkt durch seine minimalistische Anmutung und die Besinnung auf das Wesentliche wie gemacht für ein modernes Landhaus. Er steht für Klarheit, ein entspanntes Lebensgefühl, Naturverbundenheit und für geschmackvolles, gemütliches Wohnen. Das Design ist ehrlich und sehr wohnlich, es wirkt angenehm einfach, da mit viel Liebe zum Detail natürliche, echte Materialien und naturnahe, dezente Farbtöne harmonisch kombiniert werden. Schlicht und schön: einfach, ursprünglich, Zuhause.









