Der perfekte Privatparkplatz

Eine Garage oder ein Carport ist eine feine Sache, denn sie schützen dein Auto vor Witterungseinflüssen. Was von beidem sich für dein Bauvorhaben eignet, ist abhängig von deinen Komfort- und Sicherheitsansprüchen, den baurechtlichen Rahmenbedingungen auf deinem Grundstück – und deinem Budget.

Texte: Astrid Barsuhn

Wer in der Stadt wohnt, kennt das Drama: Man kommt abends mit dem Auto nach Hause und kurvt unter Umständen länger durchs Wohnviertel, um einen Parkplatz zu finden, als die Heimfahrt vom Arbeitsplatz gedauert hat. Von diesem Stress wollen sich Autobesitzer mit dem Bau oder Kauf einer eigenen Immobilie in der Regel entledigen, indem sie auf ihrem Grundstück private Parkmöglichkeiten schaffen.

Pflicht zum PKW-Stellplatz

Weil rund 78 Prozent der deutschen Haushalte mindestens ein Auto besitzen, ist es bei fast allen Hausbauprojekten naheliegend, sich auch zu überlegen, wo und wie das oder die Fahrzeuge der Familie am neuen Wohnort untergebracht werden sollen. Das ist übrigens nicht nur Kür, sondern sogar Pflicht – sogar für Baufamilien, die gar kein Auto besitzen.

In den allermeisten Städten und Gemeinden gibt es sogenannte Stellplatzverordnungen oder Stellplatzsatzungen in denen genau festgelegt ist, wie viele Autostellplätze pro Wohneinheit auf dem eigenen Grundstück oder in dessen Nähe nachgewiesen werden müssen. In der Regel werden ein bis zwei Stellplätze pro Wohneinheit gefordert. Was an deinem Bauort zutrifft, erfährst du auf dem zuständigen Bauamt.

Die an deinem Bauort geforderten Stellplätze müssen im Bauantrag deines Hauses genau ausgewiesen sein. Ausnahmen von den Anforderungen der Stellplatzpflicht können im Einzelfall beantragt und gewährt werden, zum Beispiel wenn

  • dicht bebaute innerörtliche Lagen es unmöglich machen, die geforderte Anzahl an Stellplätzen zu schaffen
  • die Einrichtung der geforderten Stellplätze mit unverhältnismäßig hohen Baukosten verbunden ist.

Die einmal entsprechend der örtlichen Stellplatzverordnung eingerichteten Autostellplätze dürfen übrigens nicht zweckentfremdet werden. Das gilt auch für Carports und Garagen: Sie werden vom Gesetzgeber gefördert, damit Autos nicht (oder weniger) im öffentlichen Raum geparkt werden und so der Verkehrsfluss und die Verkehrssicherheit verbessert wird. Zulässig ist in Garagen oder Carports allerdings alles, was das ungehinderte Ein- und Ausfahren sowie Parken eines Autos nicht verhindert. Als reiner Abstellraum, Hobbywerkstatt oder Partyraum darf eine Garage aber nicht dauerhaft genutzt werden.

Schutz für Stellplätze: Garagen und Carports

Praktisch: Der Carport ist direkt ans Haus angebaut und mit dem Hauseingang über ein Vordach verbunden. So kommt man trocken vom Auto ins Haus. Foto: elements.envato.com / GroundPicture

Das nicht nur den Schwaben „heiligs Blechle“ möchten viele Autobesitzer möglichst gut geschützt parken. Dafür bieten sich Garagen und Carports an. Sie schützen das Auto vor schädlichen Witterungseinflüssen wie UV-Strahlung, Stürme, Frost und Hagel. Außerdem bieten Garagen und Carports alltäglichen Komfort: Bei Regen kann man ohne nass zu werden ein- und aussteigen, bei Frost oder Schnee spart man sich das lästige Freiräumen und -kratzen des Fahrzeugs.

Weil Autos, die in Garagen oder unter Carports stehen, weniger schadensanfällig sind, gewähren sogar die meisten Kfz-Versicherungen sogenannte „Garagenrabatte“ bei Teilkasko- und Vollkaskotarifen: Laut Verivox sind durchschnittlich rund 5 Prozent Rabatt möglich. Dabei gilt: Je sicherer das Auto geparkt wird, desto günstiger die Kfz-Versicherung. Garage ist besser als Carport, eine abschließbare Garage führt zu günstigeren Tarifen als eine ohne zusätzliche Sicherung.

Das Dach einer Garage oder eines Carport lässt sich auch begrünen. Das sorgt für eine Verbesserung des Mikroklimas ums Haus, sieht schön aus und ist praktizierter Hochwasserschutz. Foto: elements.envato.com / duallogic

Unter Umständen kannst du auch das Dach deines Carports oder deiner Garage für mehr nutzen, als nur dein Auto zu schützen. Ist das Dach gut Richtung Sonne exponiert, eignet es sich für die Installation zusätzlicher Photovoltaik-Module, um eigenen Sonnenstrom zu erzeugen. Eine Ausführung als Gründach sieht nicht nur hübsch aus, sondern verbessert auch das Mikroklima rund um dein neues Heim. Ist die Garage oder der Carport direkt an das Haus angebaut, ist eventuell auch eine Nutzung als Dachterrasse möglich. Hier können aber baurechtliche Vorschriften zum Tragen kommen und die Statik muss entsprechend ausgeführt werden. Rechtzeitig eingeplant halten sich die Mehrkosten dafür aber im Rahmen.

Die Vorzüge des Carports

Ein Carport ist eine einfache Überdachung eines Autostellplatzes. Er kann nur aus Pfosten und einem Dach bestehen – die Seiten lassen sich aber auch mithilfe von Sichtschutzelementen schließen, um den Witterungsschutz etwas zu erhöhen. Im Gegensatz zur Garage ist ein Carport aber offen und nicht durch ein Tor geschlossen. Das vermindert den Diebstahlschutz – sorgt aber insgesamt für eine hellere und offenere Atmosphäre rund ums Auto.

Unter einem Carport können auch Fahrräder geparkt oder Mülltonnen witterungsgeschützt platziert werden – dafür muss aber zusätzlicher Platz eingeplant werden, der den Autostellplatz nicht in seiner Nutzung einschränkt. Foto: elements.envato.com / pro_creator

Die Pluspunkte des Carports sind:

  • Witterungsschutz: Auch ein Carport bietet Schutz vor Regen, Schnee, Hagel oder vom Wind abgebrochenen und herabfallenden Ästen und vor direkter UV-Strahlung sowie zugefrorenen Scheiben im Winter. Durch die offenen Seiten der Konstruktion aber natürlich nicht ganz so umfassend, wie die Garage.
  • Korrosionsschutz: Unter einer offenen Carport-Konstruktion kann Feuchtigkeit am Auto schneller trocknen als in einer häufig schlecht belüfteten Garage. Das vermindert die Korrosionsgefahr des Autos.
  • Schnelle Montage: Carports bestehen in den meisten Fällen nur aus einer einfachen tragenden Konstruktion aus Holz, Stahl oder Aluminium und einem passenden Dach und lassen sich sehr rasch montieren.
  • Platz für Zubehör: Auch im Carport kannst du Autozubehör lagern – allerdings empfiehlt es sich, dafür einen Bereich des Carports abschließbar zu machen – also eventuell an einer Seite einen Gartenschrank oder eine kleine „Hütte“ anzubauen, worin Winterreifen und Fahrradträger – aber auch Fahrräder – einen überdachten Platz finden.
  • Wallbox : Auch unterm Carport kann man eine Ladestation fürs E-Auto unterbringen. Dafür muss die Wallbox an einem geeigneten Pfosten, möglichst regen- und schneegeschützt, angebracht werden. Weil sie hier auch für Unbefugte zugänglich ist, sollte die Wallbox mit einer intelligenten Benutzerkontrolle ausgestattet werden.

Was kostet ein Carport?

Ein Carport ist wesentlich günstiger als eine Garage. Carport-Bausätze aus Holz zur Selbstmontage für ein einzelnes Auto sind schon ab knapp über 1.000 Euro zu haben. Einfache Modelle inklusive Montage kosten ab 7.000 Euro aufwärts. Besondere Wünsche wie PV-Dach, Abstellbox oder Sichtschutzwände musst du zusätzlich berechnen. Ebenso wie die Kosten für die Fundamente der Konstruktion.

Was bringt die Garage?

Eine Garage gehört für viele Bauherren einfach zum perfekten Haus dazu. Eine Garage ist ein geschlossenes Gebäude für Fahrzeuge, mit festen Wänden und einem Dach und mindestens einem Garagentor, das das Ein- und Ausfahren sowie das Verschließen des Raums ermöglicht.

Die Garage in die Architektur des Wohnhauses mit einzubeziehen, schafft ein harmonischeres Gesamtbild des Gebäudeensembles. Eine integrierte Planung von Haus und Garage vereinfacht und verbilligt auch den Genehmigungsprozess. Foto: elements.envato.com / GroundPicture

Die Pluspunkte einer Garage sind:

  • Witterungsschutz: Eine Garage schützt vor Niederschlägen wie Regen, Schnee und vor direkter UV-Strahlung, die zu schnellerer Korrosion führen können. Auch vor physikalischen Einwirkungen durch Hagel oder vom Wind abgebrochenen und herabfallenden Ästen ist das Auto in der Garage geschützt.
  • Schutz vor Vandalismus: Abgebrochene Seitenspiegel, zerkratzte Karosserien und Scheiben – wer häufig an der Straße parkt, kann ein Lied davon singen. Garagen schützen das Auto zuverlässig vor solchen Schäden.
  • Schutz vor Diebstahl: Hinter verschlossenen Garagentoren ist das Auto nicht zu sehen – und wird somit nicht so einfach zu einem Objekt der Begierde. Einbruchhemmende Tore schützen zusätzlich.
  • Platz für Autozubehör: Winterreifen, Fahrradträger, Dachbox etc., Autozubehör ist meist sperrig. Wer seine Garage entsprechend groß plant, kann alle Dinge rund ums Auto hier komfortabel unterbringen.
  • Wallbox: Die Garage ist der perfekte Platz für die private Ladestation eines E-Autos. Die dafür ideale Wallbox lässt sich einfach an einer der Wände anbringen. Wichtig ist die Planung und Verlegung des entsprechenden Stromanschlusses.

Was kostet eine Garage?

Eine einfache Stahl-Fertigeinzelgarage in einfachster Ausführung gibt es ab circa 2.500 Euro. Eine einfache Beton-Fertiggarage ist mit Preisen ab 3.500 Euro etwas teurer. Zusätzlich müssen die Kosten für das Betonfundament, die Lieferung durch einen LKW und die Aufstellung einkalkuliert werden. Für eine individuell geplante und angefertigte Garage steigen die Kosten schnell auf 15.000 Euro und mehr. Eine komfortable Ausstattung mit schickem Garagentor, Licht, Fenstern und Türen steigert die Kosten zusätzlich. Dafür lässt sich diese auch individuell auf Haus und Grundstück anpassen.

Garagen und Carports als untergeordnete Bauwerke

Garagen und Carports werden unter bestimmten Umständen im Baurecht als sogenannte „untergeordnete Bauwerke“ klassifiziert. Diese Einordnung erleichert es dir als Bauherr, auf deinem Grundstück einen Carport oder eine Garage zu errichten. Für untergeordnete Gebäude gelten häufig vereinfachte Genehmigungsverfahren und Ausnahmen von den oft von strengen Abstandsregelungen zum Nachbargrundstück.

Als untergeordnetes Gebäude gelten u.a.

  • baulich eigenständig
  • Bauwerke, die das Wohnen unterstützen und dem Haupt(-wohn-)gebäude in Größe und Funktion untergeordnet sind
  • keine Nutzung als Wohnraum.

Da das Baurecht in Deutschland Länderrecht ist, variiert die genaue Definition eines „untergeordneten Gebäudes“ auch von Bundesland zu Bundesland, ebenso wie die Regelung, ob der Bau eines Carports oder einer Garage genehmigt werden muss. Antworten darauf, was auf deinem Bauplatz gilt, ist in der jeweiligen Landesbauordnung (LBO) geregelt. Während in manchen Ländern ein kompletter Bauantrag gestellt werden muss, sind sie anderorts genehmigungsfrei. Hier genügt es, die zuständige Behörde über den Bau zu informieren. Auch die Größe deiner Garage kann ausschlaggebend dafür sein, ob du eine Baugenehmigung benötigst: So sind u.a. in Baden-Württemberg und Berlin Garagen bis zu 30 Quadratmetern und maximal drei Metern Höhe genehmigungsfrei, in Hessen, Brandenburg oder Bayern gehen ohne Genehmigung bis zu 50 Quadratmeter.

Als untergeordnetes Gebäude erhält die Garage Erleichterungen im Baurecht. Zum Beispiel darf sie häufig direkt an der Grundstücksgrenze errichtet werden. Dafür muss sie aber unter anderem dem Hauptwohngebäude in der Größe klar untergeordnet sein.
Foto: elements.envato.com / GroundPicture

Auch die Regelungen bezüglich einzuhaltender Abstandsflächen zum Nachbargrundstück variieren: häufig kann eine Garage oder ein Carport bis zu einer bestimmten Größe unmittelbar an der Nachbargrenze errichtet werden – aber auch hier gibt es Ausnahmen. Du musst dich also vor der Planung erkundigen, welche Regeln auf deinem Grundstück gelten.

Wer neu baut und sich eine Garage oder Carport wünscht, sollte diesen beim Hausbau gleich mit planen und in den Bauantrag fürs Haus integrieren. So ist das Bauteil baurechtlich „auf der sicheren Seite“ und man spart: Denn auch ein Bauantrag kostet Geld, zum Beispiel das Honorar des eingabeberechtigten Planverfassers (z.B. Architekt) und Gebühren der Genehmigungsbehörden.

Welche Größe ist passend?

Neben dem Aspekt der Genehmigungsfreiheit spielt bei der Bestimmung der Größe deines Carports oder deiner Garage aber natürlich auch eine Rolle, wie viele Autos dort geparkt werden sollen und wie groß diese sind. Die Zeit der Standard-Größen von Garagen und Carports ist daher lange vorbei und eine Anpassung des Bauwerks an individuelle Anforderungen notwendig. Bei der Planung der Garage muss zusätzlich ausreichend Platz für den bequemen Ein- und Ausstieg eingeplant werden. Deswegen sollte man auch messen, wie breit der eigene Wagen mit geöffneten Türen ist und die Höhe des geöffneten Kofferraumdeckels berücksichtigen.

Wer in der Garage oder unterm Carport außerdem Fahrräder, Winterreifen, Autodachboxen etc. unterbringen will, muss auch dafür zusätzlichen Raum einplanen.

Architektonisch aufs Haus abgestimmt

Garagentore können heute in puncto Farbe und Material auf die Architektur eines Hauses abgestimmt werden und so zum Beispiel mit dem Stil der Fenster oder Haustür perfekt aufnehmen. Für Komfort und Sicherheit sorgen Fernsteuerung der motorisierten Öffnung, eine Kindersicherung beim Schließen des Tors, eine gute Wärmedämmung sowie ein einbruchsicheres Schließsystem. Foto: elements.envato.com / bialasiewicz

Wer sich schon bei der Planung des Hauses auch Gedanken über den Autostellplatz und dessen Gestaltung macht, der kann diesen optisch auf die Architektur des Wohnhauses abstimmen und funktionale Zusammenhänge optimieren. So sollte der Weg vom Auto ins Haus möglichst kurz und im Idealfall geschützt sein. Werden Garage oder Carport direkt ans Haus angebaut, ist das in der Regel leicht zu bewerkstelligen.
Beliebt ist auch die direkte Verbindung von Carport oder Garage ins Haus über einen zweiten Eingang, der direkt zu Küche und Speisekammer oder in die Garderobe führt. Das ist sehr praktisch. Bei der Planung und vor allem der Ausführung sollte aber auf Sicherheit besonders viel Wert gelegt werden: Garagen werden von Einbrechern gerne als Einstiegsort gewählt. Außerdem ist für Verbindungstüren zwischen Garagen und Wohnräumen aufgrund der erhöhten Brandgefahr mindesten eine T30-Feuerschutzfunktion gesetzlich vorgeschrieben.

image_pdfArtikel als PDF herunterladen
Avatar-Foto

Über Autor/in /

Start typing and press Enter to search