Dachtrends – das ist angesagt

Giebeldach aus Holz mit Latten Dekoration des Vintage-Hauses vor blauem Hintergrund des klaren Himmels von aowsakornprapat

Diente das Hausdach früher primär dem Schutz vor Witterungseinflüssen, so können zeitgemäße Dachkonzepte inzwischen weitaus breiter aufgestellt sein. Im Folgenden schauen wir uns im Detail an, welchen Mehrwert das „Dach über dem Kopf“ heutzutage auch mit Ausrichtung auf den Klimaschutz alles zu bieten hat.

Photovoltaik und Solartechnik

Sonnenkollektoren auf dem Dach gehören inzwischen zum weit verbreiteten Erscheinungsbild. www.elements.envato.com/halfpoint

Die offensichtlichste Veränderung sind mit Photovoltaik-Modulen bestückte Dächer, die uns schon seit vielen Jahren begleiten und optisch fester Bestandteil der Dächerlandschaft Deutschlands sind. Auf Neubauten quasi gang und gäbe, eignen sich Photovoltaik-Anlagen auch sehr gut für die Nachrüstung im Bestandsbau. Bei hohem Eigenverbrauch und der Nutzung von Speichermöglichkeiten, lohnt es sich auch in 2026 in diese Technologie zu investieren. Fördermöglichkeiten für Photovoltaik sind zum einen Kredite und Programme von Bund oder Land sowie Einspeisevergütungen und steuerliche Vorteile.

Der Fokus neuer Technologien liegt auf Effizienz, Nachhaltigkeit und Design. So stellen etwa Solardächer, in Form von Solarziegeln oder -schindeln, eine unmittelbar in die Dachstruktur eingebaute Lösung dar, sprich eine Dachlösung, in der die Photovoltaik integriert ist. Technisch stehen diese Solardachziegel in Bezug auf die Effizienz den herkömmlichen Photovoltaik-Modulen in nichts nach. Ihr Vorteil ist, dass sie sich optisch dem Gesamtbild des Hauses anpassen, denn sie sehen aus wie normale Dachziegel. Eine weitere Möglichkeit sich übers Dach die Energie der Sonne zunutze zu machen, sind in die Dachfläche integrierte, quasi unsichtbare Solarzellen. Diese sind jedoch in der Regel teurer als die gängige Photovoltaik-Anlage.

Von der wirtschaftlichen Seite betrachtet, macht klar die Photovoltaik den ersten Platz, da sie bei gleicher Stromproduktion, kostengünstiger ist. Legt man Wert auf die Optik, baut ganz neu oder muss das Dach erneuern, dann macht es Sinn, auch ein Solardach in Betracht zu ziehen.

Grüne Inseln

In welcher Form auch immer wild romantisch oder übersichtlich und gepflegt: Jede begrünte Dachfläche leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Foto links: www.elements.envato.com/wirestock, Foto rechts: www.elements.envato.com/tampatra

Die Bedeutung und der Nutzen begrünter Dächer steigen, vor allem im urbanen Raum werden sie auf großen Dachflächen wie zum Beispiel öffentlichen Gebäuden, Mehrfamilienhäusern und Firmendächern vermehrt umgesetzt. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen die positive Wirkung von Dachbegrünungen, in vielen Städten gibt es bereits Vorgaben und lokale Regelungen zur Begrünungspflicht. Ebenso werden verschiedene Förderprogramme zum Beispiel von der BAFA oder über die KfW angeboten, manche Kommunen arbeiten mit einer direkten Bezuschussung, etwa über die Reduzierung von Abwassergebühren.

Auch auf Privathäusern profitieren Besitzer und Umwelt von einem begrünten Dach. Neben Schall- und Schutz vor Witterungseinflüssen, über Regenwassermanagement und Energieersparnis verbessern Gründächer die Luftqualität. Im Vergleich zu konventionellen Flachdächern sind begrünte Flachdächer einfacher zu pflegen. Darüber hinaus wirken sie als natürliche Isolatoren und halten im Winter die Kälte und im Sommer die Hitze ab. Zwar sind die Kosten am Anfang etwas höher, die Nutzungsvorteile wiegen dies aber über die Jahre auf.

Extensive und intensive Dachbegrünung

Im Wesentlichen wird zwischen extensiver und intensiver Dachbegrünung unterschieden.

Das alles kann Dachbegrünung.
Grafik: Bundesverband Gebäudegrün

Die extensive Dachbegrünung ist eine flächendeckende Bepflanzung mit pflegeleichten Pflanzen, die rein auf die Dachbegrünung, nicht aber auf die Dachnutzung ausgerichtet ist. Das heißt, die Fläche wird außer für Pflegearbeiten nicht betreten. In der Regel besteht die Begrünung aus robusten Pflanzen, die allein mit Regenwasser auskommen. Der Pflegeaufwand ist minimal, die ökologischen Vorteile zählen. Die extensive Dachbegrünung ist ideal für Dächer mit geringerer Traglast.

Des Weiteren gibt es die intensive Dachbegrünung. Diese integriert auch die tatsächliche Nutzung dieser Fläche, sprich die Nutzung als Dachgarten. Hier funktionieren auch Stauden und Sträucher, die Dachbegrünung ist von Pflege, Aufwand und Aufenthaltsqualität her einem normalen Garten gleichzusetzen. Sie eignet sich für Flachdächer und Dächer mit sehr leichter Neigung. Die ökologischen Vorteile entsprechen denen der extensiven Begrünung.

Hier die Vorteile einer Dachbegrünung im Überblick:

Kühlung durch Verdunstung: Aufgrund der Verdunstung senkt sich die Umgebungstemperatur, man spricht von einer Reduktion des Urban-Heat-Island-Effekts. Denn in und um Städte und in verdichteten Regionen sind die Temperaturen nachweislich höher als in ländlichen Gegenden. Auch die Innenräume bleiben im Sommer dadurch kühler.

Verbesserung der Luftqualität: Die Pflanzenoberflächen fangen den in der Luft befindlichen Feinstaub ab, wenn es regnet, wird er abgewaschen und somit gebunden. In der Folge befinden sich weniger Schadstoffe in der Luft. Ein großer Vorteil bei hohem Verkehrsaufkommen in Städten.

Regenwasserrückhalt: Das bedeutet in erster Linie eine Entlastung der Kanalisation, da ein Gründach etwa 50 bis 90 Prozent des Niederschlags speichern kann.

CO2-Reduktion: Dies geschieht durch den natürlichen Vorgang der Photosynthese von Pflanzen. Sie absorbieren CO2 aus der Luft und geben Sauerstoff wieder ab.

Erhöhung der Biodiversität: Mit einem Dachgarten schafft man zusätzlichen Lebensraum für Pflanzen und auch Insekten wie Bienen und Schmetterlinge. Auch für andere Kleintiere bieten Gründächer ungestörte Lebensbereiche.

Besserer Schallschutz: Ein Gründach reduziert den Schall. Laut Studien soll der Pegel aufgrund der natürlichen Pflanzenbarriere um bis zu 8 dB vermindert werden können.

Alternativen mit viel Potenzial

Helle Dachziegel reflektieren einen hohen Teil der Sonneneinstrahlung. www.elements.envato.com/praethip

Nicht nur die energetische Dachdämmung, PV-Anlagen und Gründächer sind probate Mittel, das Dach in die Klimakrisenbewältigung mit einzubinden. Mit den sogenannten „Cool Roofs“ rückt ein weiterer Aspekt in den Fokus. Aber was sind „Cool Roofs“? Im heißen Kalifornien sind diese kühlenden Steildächer bei Neubauten bereits vorgeschrieben. Die Dächer werden mit hellen oder spiegelnden Eindeckungen oder einer Beschichtung, die energiereiche, kurzwellige Sonneneinstrahlung reflektiert, versehen. Dies soll die Sonneneinstrahlung um bis zu 90 Prozent reflektieren und die Wärmeentwicklung unter dem Dach im Vergleich zu dunklen Eindeckungen deutlich reduzieren.  

Eine Alternative zu normalen Dachziegeln sind Solardachziegel. Das sind spezielle, mit integrierten Solarzellen versehene Dachziegel, die Photovoltaik also „unsichtbar“ auf dem Dach integrieren. Ihr großer Vorteil ist die Optik, denn sie unterscheiden sich äußerlich nicht von normalen Dachpfannen, die vielen Solarkollektoren-Module entfallen. Des Weiteren sind sie auf starke Belastungen ausgelegt und erreichen in der Regel die höchste Hagelschutz Klasse 4.
Ein kleiner Wermutstropfen: Eine Dacheindeckung mit Solardachziegeln ist teurer als eine herkömmliche Photovoltaik-Anlage. Die Solardachziegel gibt es in verschiedenen Formen und Farben, erhältlich sind sie aus Materialien wie Keramik, Beton und Kunststoff.

Das Regenwasser nutzen

Ein intelligentes, auf Wassermanagement ausgerichtetes Dachsystem zur Sammlung, Speicherung und Wiederverwendung von Regenwasser trägt dazu bei, die Belastung der städtischen Abwassersysteme zu verringern, insbesondere in Zeiten starker Niederschläge.

Per Wassermanagement der Umwelt dienen. www.elements.envato.com/akophotography

Wird das Regenwasser direkt auf dem Dach aufgefangen, kann es für andere Zwecke genutzt werden, zum Beispiel für die Bewässerung des Gartens. Besonders in urbanen Gebieten mit dichter Bebauung ist ein Wassermanagement des Daches von großer Bedeutung, denn es hilft darüber hinaus auch dabei, die Belastung von Abwassersystemen zu verringern.

Nicht nur Wasser sammeln ist ein bedeutender Aspekt, auch das Filtern und Reinigen. Moderne Systeme können dies so erfüllen, dass das aufbereitete Wasser für verschiedene Anwendungen sicher verwendet werden kann ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung.

Deckung und Dämmung am besten nachhaltig

Dachziegel aus Ton und Schiefer sowie Betondachsteine und Metall das ist das gängige Material, mit dem Dächer gedeckt werden. Aber wie steht es hier um deren Nachhaltigkeit? Mit welchen Materialien lässt sich auch auf dem Dach Nachhaltigkeit umsetzen? Die folgende Tabelle zeigt einen Überblick.

Material Vorteile Nachteile
Dachziegel aus
gebranntem Ton
langlebig und witterungsbeständig, optisch neutral und natürlich relativ schwer
Solardachziegel mit integrierter Photovoltaik Stromproduktion und
CO2-Reduzierung
höhere Anschaffungskosten
Naturstein Schiefer äußerst langlebig, edle Optik, sehr wetterfest teuer und aufwendige Verlegung
Betondachsteine aus Sand, Zement und Wasser robust und farblich flexibel schwer, Verblassen
der Farbe möglich
Holzschindeln
(Lärche, Zeder)
natürlich, gute Dämmung nicht so langlebig,
benötigt viel Pflege
Metall
(Zink, Kupfer, Aluminium)
langlebig, leicht,
Flachdach-geeignet
bei Regen geräuschintensiver
Nichts geht ohne Wärmedämmung von innen.
Foto: www.elements.envato.com/photovs

Um eine perfekte Wärmeregulierung zu gewährleisten, bedarf es einer hervorragenden Dämmung. Dafür eignen sich neben den gängigen Dämmmaterialien ökologisch gesehen am besten nachhaltige Produkte, wie Hanf und Flachs, Zellulose oder auch Holzfasern. Bei einer gegebenenfalls notwendigen Entsorgung lassen sich diese rückstandsfrei entsorgen.

Automatisierte Steuerung, hohe Lebensqualität

So wie im restlichen Gebäude können auch beim Dach moderne, smarte Technologien zum Einsatz kommen, die die Lebensqualität der Bewohner und die Energieeffizienz des Hauses verbessern. Es gibt dafür die Möglichkeit, über Sensoren verschiedene Komponenten wie zum Beispiel Temperatur, Feuchtigkeit, die Windgeschwindigkeit und auch die Lichtverhältnisse zu messen und zu kontrollieren. Die Sensoren melden Fehler, die dann im Prinzip umgehend behoben werden können. Aufgrund rechtzeitiger Meldungen lassen sich somit möglicherweise auch größere Reparaturen vermeiden.

Als Anpassung an die Außentemperatur kann etwa auch automatisch die Verschattung aktiviert, oder bei Regen oder Wind das noch offene Dachfenster geschlossen werden. Ist die Technik in ein Smarthome-System integriert und mit dem Internet vernetzt, besteht darüber hinaus die Option, die Systeme aus der Ferne anzusteuern.